Lizenzstrategie 2026: Warum nicht mehr der Hersteller über die Kosten entscheidet
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Bei unserer Roadshow „Lizenzen im Griff“ in Zürich haben wir mit IT-Verantwortlichen, Einkäuferinnen und Lizenzmanagern über eine Frage diskutiert, die in vielen Unternehmen erst beim nächsten Renewal-Termin akut wird. Wie lässt sich eine Lizenzstrategie aufbauen, die nicht von der jeweils aktuellen Preispolitik eines Herstellers abhängt? Aus den Gesprächen des Nachmittags hat sich eine klare Antwort ergeben. Die passende Einheit für jede Lizenzentscheidung ist der einzelne Workload, nicht der Hersteller.
Vier Kräfte verändern gerade die Vergleichsbasis
Der Public-Cloud-Markt wächst 2026 voraussichtlich um mehr als 21 Prozent, spätestens 2027 dürfte die Billionengrenze bei den jährlichen Ausgaben fallen. Gleichzeitig bleibt Hybrid Cloud für rund 90 Prozent der Unternehmen der Normalfall. Zusammengenommen deuten die beiden Zahlen darauf hin, dass Unternehmen Cloud-Lösungen ergänzend zu ihren bestehenden IT-Umgebungen einsetzen, statt diese vollständig zu ersetzen.
Parallel dazu verschieben vier Entwicklungen die Spielregeln der Softwarelizenzierung. Der einmalige Lizenzkauf weicht zunehmend der wiederkehrenden Subscription, während Bundles die freie Auswahl einzelner Funktionen verdrängen. Hinzu kommen neue Metriken über Cores, Nutzer oder Verbrauch, die den tatsächlichen Bedarf neu definieren. Und weil Datenstandort und Exit-Optionen inzwischen in jede größere Ausschreibung gehören, wird Souveränität selbst zum Kaufkriterium. Bei Microsoft zeigt sich das besonders deutlich. Seit Juli 2026 haben sich die Listenpreise für die Enterprise-Suites mit Teams je nach Produkt um fünf bis 13 Prozent verändert, während gleichzeitig Security-, Intune- und Copilot-Funktionen in die Pakete wandern. Ein reiner Preisvergleich zum Vorjahr sagt dadurch wenig aus. Wer verhandeln will, braucht vorher eine gesicherte Baseline aus aktuellem Bestand, tatsächlichen Kosten und der Funktionsnutzung im Arbeitsalltag.
Der Workload entscheidet
Ein Muster kam in Zürich in fast jedem Gespräch vor: Unternehmen entscheiden pro Hersteller statt pro Anwendungsfall, etwa „alles von Microsoft in die Cloud“ oder „SAP bleibt vorerst On-Premises“. Solche Grundsatzentscheidungen sind schnell getroffen, führen aber häufig zu Über- oder Fehlversorgung.
Sinnvoller ist der Blick auf den einzelnen Workload. Ist die Nutzung stabil oder schwankt sie? Wird er 18 Monate oder acht Jahre gebraucht? Steht laufende Innovation im Vordergrund oder Funktionsstabilität? Ein saisonaler Webshop profitiert von elastischer Cloud-Kapazität. Eine Produktionsanwendung mit konstanter Last läuft auf eigener Infrastruktur oft wirtschaftlicher.
Sechs Kriterien bilden die Grundlage für einen fundierten Vergleich:
- Vollständige Kosten über fünf Jahre, inklusive Migration, Betrieb und Exit
- Tatsächliche Flexibilität bei Mengen und Laufzeiten
- Compliance und Nachweisfähigkeit
- Betriebsrisiko durch Support und Skills
- Praktische Exit-Fähigkeit
- Realer Wert neuer Funktionen
Welche Lizenzform besser passt, hängt von den Anforderungen des Unternehmens ab. Bei stabilen Arbeitsplätzen können Dauerrechte wirtschaftlich sinnvoll sein. Wo sich der Bedarf häufig verändert oder neue Funktionen einen konkreten Mehrwert bieten, können Subscriptions Vorteile haben. Entscheidend ist, diese Unterschiede zu prüfen, statt Lizenzkosten als unveränderliche Fixkosten hinzunehmen.
VMware und Broadcom: Die Architektur wird zur Verhandlungssache
Bei VMware ist die technische Architektur inzwischen Teil der kommerziellen Verhandlung. VCF und VVF werden nach physischen CPU-Cores lizenziert, mit einem Minimum von 16 Cores je physischer CPU. Ein Prozessor mit acht oder zwölf Cores wird trotzdem mit 16 Cores angesetzt. Ein komfortabel dimensioniertes Cluster mit vielen Hosts kann dadurch deutlich teurer ausfallen, selbst wenn die vorhandene Rechenleistung nur teilweise genutzt wird.
Dazu kommt eine Veränderung im Betrieb: Mit VCF 9 ersetzen Lizenzdateien die früheren 25-stelligen Keys, und VCF Operations verlangt mindestens alle 180 Tage eine Lizenzaktualisierung. Die Subscription wird damit selbst zu einem laufenden technischen Prozess. Auch der Beschaffungsablauf verdient Aufmerksamkeit. Scope fixieren, Quote einholen, intern freigeben, fristgerecht bestellen. Läuft eine Quote ab, ist die alte Kondition nicht mehr gesichert.
Wer sich Verhandlungsspielraum verschaffen will, braucht mindestens zwei realistische Pfade: die Optimierung des bestehenden Setups über reduzierte Hosts und Cores, eine Hybridisierung mit Alternativen für geeignete Workloads, oder eine geplante Migration. Keiner dieser Wege ist kostenlos, aber alle sollten vorbereitet sein, bevor das Renewal-Gespräch beginnt.
Portfolio-Optimierung als wiederholbarer Prozess
Der Ablauf, den wir in Zürich vorgestellt haben, beginnt mit einem Inventar aus Rechten, Nutzung und Kosten. Es folgt die Segmentierung nach Workloads, danach die Modellierung von TCO, Risiko und Exit. Je Segment fällt eine Entscheidung für ein Zielmodell, und der Prozess mündet in eine laufende Steuerung von Renewals und Nachweisen. Der Startzeitpunkt entscheidet dabei mehr als das Verhandlungsgeschick am Ende. Die Vorbereitung eines Renewals gehört 12 bis 18 Monate vor den Termin statt kurz vor knapp.
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